Chronik

GründungsfotoDie Gründungsmitglieder des MGV 1882 Uettingen im Jahr 1900

Gesang und Freundschaft waren die Triebfeder, die bereits 1880 bei einigen sangesfrohen Männern den Wunsch nach Erlernen eines mehrstimmigen Männergesangs auslöste. Erste Versuche unter der Leitung des damaligen Lehrers Weiß mussten aber bald wieder aufgegeben werden, da dieser aus Uettingen wegzog.

Die Liebe zum Gesang aber blieb wach und 1882 gründete sich eine Sängervereinigung aus der örtlichen Feuerwehr und dem Kriegerverein.

28 Männer voller Idealismus nennt die Chronik als Gründungsmitglieder des Vereins. Dem ersten Dirigenten, Lehrer Leonhard Orth, oblag zugleich die Leitung des Vereins, eine Vorstandschaft gab es zunächst nicht.

Den Überlieferungen kann man entnehmen, dass von Anfang an auch der Pflege der Geselligkeit ein hoher Rang beigemessen wurde. Mit großer Begeisterung konnten die Vereinsmitglieder neben Gesangsvorträgen ihre Zuschauer auch mit lustigen Theaterstücken unterhalten. Bis in die 1960er Jahre wurde diese Tradition mit Hingabe gepflegt.

1897 wurde erstmals eine Vorstandschaft unter dem Vorsitzenden Jakob Bauer an die Spitze des Vereins berufen. Unter seiner Leitung erfolgte die Anmeldung des Männergesangvereins Uettingen beim Königlichen Bezirksamt in Marktheidenfeld, welches mit Bescheid vom 11. Dezember 1897 seine Zustimmung zu den vorgelegten Statuten gab.

Fernbleiben von den Übungsstunden ohne triftigen Grund zog das erste Mal einen Verweis nach sich, im Wiederholungsfall wurde eine Ordnungsstrafe von 20 Pfennigen verhängt. Die Aufnahmegebühr für neue Mitglieder betrug 100 Pfennige, der laufende monatliche Beitrag 10 Pfennige.

Wer sich mit drei Monatsbeiträgen im Rückstand befand, wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Wiederaufnahme war nur mir doppelter Aufnahmegebühr möglich, falls die Mitglieder diesem durch „Ballotieren“ zustimmten.

Bei diesem damals üblichen geheimen Wahlvorgang erhielten die Stimmberechtigten je eine weiße und eine schwarze Kugel. Die Abgabe der weißen Kugel bedeutete Zustimmung, die der schwarzen Ablehnung. Auch über die Erstaufnahme eines Bewerbers wurde nach demselben Verfahren entschieden. Der Brauch des „Ballotierens“ wird letztmals 1957 im Protokollbuch erwähnt, hier fanden zur Stimmabgabe weiße und schwarze Bohnen Verwendung.

Im Jahre 1900 übernahm Georg Thoma den Posten des ersten Vorsitzenden. 23 Jahre führte er den Verein durch Höhen und Tiefen und war damit der am längsten amtierende Vorstand in der Vereinsgeschichte.

Noch länger aber diente Lehrer Heinrich Rübel als Dirigent dem Verein. Bereits 1891 übernahm er die musikalische Betreuung des Chores, die er nach 32jähriger Tätigkeit in die Hände seines Nachfolgers, Herrn Lehrer Leibold, legte. Die Lehrer Leibold, Späth und Koch, sowie Karl Leibold leiteten in den Folgejahren den Chor bis 1937.

Die beiden Weltkriege stellten unseren Verein vor größte Schwierigkeiten. Aus dem Kriegsjahr 1944 berichtet man, dass bei einem Stand von 45 Mitgliedern nur acht bis zehn an den Singstunden teilgenommen haben.

Von 1924 bis 1927 war Fritz Kreith erster Vorsitzender des Gesangvereins. Ihm folgte – von 1927 bis 1932 – Andreas Meckelein. Die MGV-Chronik weist Friedrich Thoma in der Zeit von 1933 bis 1944 als 1.Vorsitzenden aus. Von 1937 bis 1953 war Friedrich Leibold Dirigent des MGV.

Von 1944 bis 1946 leitete August Huller den Verein als erster Vorsitzender, ehe Friedrich Thoma von 1946 bis 1950 noch einmal das Ruder übernahm. Sechs Jahre lang, nämlich von 1950 bis 1956 war Friedrich Meckelein 1. Vorstand.

Lehrer Willi Löwen war von 1953 bis 1965 Chorleiter. Ein Klavier gab es damals noch nicht – und so studierte Lehrer Löwen die Lieder mit Hilfe seiner Geige ein. Ihm zur Seite stand mit dem Uettinger Original Friedrich Leibold, genannt „Lauer“ ein exzellenter Multi-Instrumentalist, der sich noch viele Jahre über Löwen’s Tätigkeit hinaus in vielfältiger Weise für den Verein engagierte. So war er u. a. von 1953 bis 1981 zweiter Dirigent des MGV.

Friedrich Leibold war überhaupt eine der herausragenden Personen in der MGV-Geschichte. In seiner bescheidenen Art war er stets bereit, als Chorleiter einzuspringen, wenn Not am Mann war. Später wurde er zu Recht zum Ehrendirigenten des MGV ernannt.

Große Verdienste um den MGV hat sich auch Georg Thoma erworben. Er war von 1956 bis 1966 Vorsitzender. Unter seiner Regie wurde das 80jährige Stiftungsfest des MGV vom 14. bis 16. Juni 1962 im Schlosspark der Grafen Wolffskeel gefeiert.

Dieses Fest nahm man zum Anlass, die neu angeschaffte Vereinsfahne zu weihen. Mit dabei war damals auch unser Patenverein, der MGV Remlingen. Gemeinsam wurde das Lied „Gott grüße Dich“ zur Eröffnung gesungen. Die Remlinger brachten auch ihre Fahnenbraut und Ehrendamen mit und bewiesen schon damals ihre tiefe Verbundenheit mit unserem Verein. Als Fahnenbraut des MGV Uettingen fungierte Gerda Leibold. (Anekdote folgt)

„Möge diese Fahne allen ein Symbol echter Freundschaft und Liebe zueinander sein. Sie möge euch begleiten in Stunden fröhlicher Geselligkeit als auch in schwerem Leide. Sie möge ein Band sein, das euch immer zusammenschließt in dem Motto eures Spruchs: Im Liede rein, im Worte wahr – Gott schütze unsre Sängerschar!“

Dies war der fromme Wunsch, den Pfarrer Herold den Sängern mit auf den Weg gab. Unser Patenverein bekräftigte diesen Wunsch noch einmal mit dem Lied „Brüder reicht die Hand zum Bunde“.

1966 wurde Wilfried Kampert zum 1. Vorsitzenden des MGV gewählt. 12 Jahre leitete er die Geschicke des Vereins in finanziell schwierigen Zeiten. Für seine Verdienste wurde er 1988 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Ab 1966 hatten wir mit Heinz Breitschaft auch einen neuen Dirigenten. Er löste Lehrer Scheufelhut ab, der von 1965 bis 1966 den Chor leitete. Mit Heinz Breitschaft hatten wir einen exzellenten Chorleiter, der uns zu musikalischen Höhen führte. Disziplin in jeder Hinsicht, die er in seiner ehrgeizigen Art von den Sängern forderte, war zwar nicht jedermanns Geschmack, weshalb unser Vorstand des öfteren als Puffer zwischen Chorleiter und Sängern herhalten musste – die Erfolge, die wir Dank seiner hervorragenden Arbeit hatten, gaben ihm aber letztendlich Recht. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Uettinger Sänger die Einweihung des Stadttheaters Würzburg mitgestalteten: Bei der Eröffnung am 4.12.1966 war unser Männerchor zusammen mit den „Meistersingern von Nürnberg“ auf der Bühne mit dabei!

Im Jahre 1967 trat der MGV Uettingen dem Fränkischen Sängerbund bei.

Wilfried Kampert, Heinrich Schwab und Erwin Thoma kann man die „Väter“ der Jugendkapelle nennen, die 1969 unter der Leitung von Werner Heußlein gegründet wurde.

Die Entwicklung der Jugendkapelle – anfangs als Abteilung des MGV – war so rasant, dass die jungen Musikanten sich schon nach wenigen Jahren selbständig machten und heute als „Original Aalbachtaler Musikanten“ bekannt sind. Doch damit nicht genug! – Heute haben wir im Aalbachttaler Musikverein unter dem nimmermüden Ehrenvorsitzenden Erwin Thoma mit der Schülerkapelle, der Jugendkapelle , dem Aalbachtal-Express und den Aalbachtaler Dorfmusikanten vier weitere Musikgruppen im Ort, auf die wir Uettinger stolz sind. Man kann also sagen: Die Saat ist aufgegangen – und wie!

Das Stiftungsfest zum 90jährigen Bestehen unseres MGV vom 2. bis 5. 6. 1972 ist vielen noch in guter Erinnerung. Gefeiert wurde in einem 2000-Mann-Zelt. Der große Festabend mit Hilde Ott, dem Blädel-Schorsch und Teddy Parker als Stargast ist bis heute unvergessen.

1978 wurde Hermann Heunisch zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. Allerdings musste er 1980 aus beruflichen Gründen den Vereinsvorsitz nach nur zwei Jahren schon wieder abgeben.

1979 legte Heinz Breitschaft nach 13 Jahren den Taktstock nieder. Ihm folgte Hans Stahl, der uns aber nach zwei Jahren ebenfalls aus beruflichen Gründen wieder verlassen musste. Willi Thoma übernahm damals provisorisch die Chorleitung. Dieses „Provisorium“ hält bis heute an!

Als wir 1980 zunächst ohne Vorsitzenden da standen, war dieser Posten nun neu zu besetzen. Auf der Suche nach dem geeigneten Mann wurden wir schnell fündig: Unser langjähriger Schriftführer Harry Bauer war bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Harry Bauer leitete von 1980 bis 2000 den Verein mit viel Engagement und führte den MGV Uettingen in seiner 20jährigen Amtszeit zur heutigen Blüte.

Am 17.4. 1980 wurde erstmals ein Jugendchor unter der Leitung von Thomas Geiger und Norbert Weimer gegründet.

Aus einer Bierlaune heraus formierten sich die „Schneesënger“ , eine achtköpfige Gesangsgruppe, die sich mit überwiegend heiteren Liedern und witzigen Texten weit über Unterfrankens Grenzen hinaus in die Herzen der Zuhörer sang. Bisheriger Höhepunkt ihrer Karriere war ein Auftritt bei der legendären Fernsehsitzung „Fastnacht in Franken“ im Bayerischen Rundfunk mit fast 4 Millionen Zuschauern.

Mehrere Auftritte bei der TV-Touring-Fernsehsitzung zuletzt 2007, stehen ebenfalls zu Buche.

Zum 100jährigen Bestehen des MGV Uettingen wurde im Jahre 1982 wieder ein großes Fest abgehalten. U. a. sorgte die legendäre Popgruppe „Kleeblatt“ für Superstimmung in der Aalbachtalhalle.

Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Verleihung der Zelter-Plakette am 15.Mai 1983 durch den damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens.

Mit der Gründung des Frauenchors am 9. April 1984 ging für Harry Bauer ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. Er war schon immer der Meinung, dass in einem Gesangverein jeder die Möglichkeit zum Singen haben muss. 40 Frauen zählt das Protokoll der Gründungsversammlung. Mit Hermine Lang konnte eine tatkräftige Abteilungsleiterin gewonnen werden. Als ersten Chorleiter konnten wir Bernhard von der Goltz verpflichten. Durch häufige Dirigentenwechsel musste sich der Frauenchor anfangs leider immer wieder bereits nach kurzer Zeit an neue Chorleiter gewöhnen. So musste Bernhard aus beruflichen Gründen 1986 schweren Herzens die Leitung abgeben. Mit Inge Maier konnte glücklicherweise eine sehr temperamentvolle und engagierte Dirigentin gewonnen werden.

Schweren Zeiten gingen wir 1987 entgegen. Unser Chorleiter Willi Thoma erlitt einen schweren Unfall und fiel auf unbestimmte Zeit aus. Gut, dass wir mit Karl Schäder einen Chorleiter fanden, der uns in dieser Zeit weiterhalf.

1989 zog die inzwischen verheiratete Dirigentin des Frauenchors Inge Maier-Eblenkamp weg und Claudia von der Goltz rückte als Chorleiterin nach.

Der Kinderchor war im Laufe der Jahre wieder eingeschlafen. 1992 wurde er von Ute Wolfrum-Schalk zu neuem Leben erweckt. Leider musste auch Ute uns nach neun sehr erfolgreichen Jahren verlassen.

Mit Diana Kitzing haben wir aber eine sehr gute Nachfolgerin gefunden. Die Kinder sind mit Begeisterung bei der Sache und lieben ihre Diana, die bis heute sehr engagiert und erfolgreich die „Ohrwürmer“ und die „T(w)eenTones“ leitet.

Als 1993 Claudia von der Goltz ausschied, übernahm Franz Rauch die Leitung des Frauenchors.

Ein gutes Jahr hatten wir 1994. Der Happysound-Chor wurde gegründet. Das ewige Problem des Sängernachwuchses ist ja in allen Chören gegenwärtig, mit dem Liedgut, das die meisten Chöre bieten, in vielen Fällen aber auch „hausgemacht“. Dass junge Menschen singen wollen, hat unser Chorleiter Willi Thoma immer wieder festgestellt – nur eben nicht von den „Alten Eichen“ und dem „Heideröslein“. Dieses Liedgut hat sicher seine Berechtigung, erscheint als Lockmittel für junge Menschen aber eher ungeeignet.

Unser happysound mit über 40 Sängerinnen und Sängern im Alter von 14 bis 76 Jahren singt überwiegend in englischer Sprache, frei nach dem Motto: Lieber Jugendliche, die moderne Lieder in englischer Sprache singen, als solche, die gar nicht singen!

Willi Thoma, der den Chor mit Petra Schätzlein leitet, hat aber auch schon das ein oder andere „deutsche“ Lied eingeschmuggelt. Und die Hoffnung besteht allemal, dass der eine oder andere auch den Weg in den Männer- bzw. Frauenchor finden wird.

Der Frauenchor musste sich 1995 wieder einmal auf eine neue Chorleiterin einstellen. Franz Rauch musste aus beruflichen Gründen Abschied nehmen. Am 6. November wurde Christina Gatz als neue Dirigentin vorgestellt. Leider konnte auch sie nur zwei Jahre bleiben.

Seit 1997 ist nun unser Uettinger Eigengewächs Petra Schätzlein für den Frauenchor zuständig. Sie ist somit die am längsten amtierende Chorleiterin der Vereinsgeschichte. Für unseren Frauenchor scheint die Suche nach einer dauerhaften Lösung endlich abgeschlossen zu sein. Hoffen wir, dass es so bleibt!

Nach 20 Jahren als erster Vorsitzender ist Harry Bauer im Jahr 2000 von seinem Amt zurückgetreten. Wir schauen heute dankbar auf die „Harry-Bauer-Ära“ zurück und sind mit ihm stolz auf das Erreichte.

Seit dem Jahr 2000 ist nun Ralf Endres der 1. Vorsitzende des MGV 1882 Uettingen e.V.

Ein drängendes Problem ist sicher die Zukunft der Männer- aber auch der Frauenchöre. Die meisten Chöre sind einfach „zu alt“, d. h. es fehlt an Nachwuchs. Wie aber gewinnen wir jüngere Sängerinnen und Sänger? Moderneres Liedgut ist sicher eine Möglichkeit. Darüber hinaus gilt es aber auch, das alte zu bewahren. Wir müssen also einen Kompromiss finden.

Der MGV Uettingen ist in der glücklichen Lage, mit Willi Thoma und Petra Schätzlein junge und engagierte Chorleiter zu haben.

Stolz sind wir auf unseren Männerchor mit 47 Aktiven im Alter von 16 bis 76 Jahren! Das Durchschnittsalter von „unter 50“ dürfte für einen Männerchor landkreisweit wohl einzigartig sein! Im Frauenchor sind zurzeit 30 Damen aktiv. 40 Mitglieder zählt der happysound. Bis zu 40 Kinder singen bei den „Ohrwürmern“, 15 Mitglieder zählt die Gesangsgruppe „T(w)eenTones“, unser Jugendchor. Insgesamt also rund 170 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die im MGV Uettingen singen!!!

Vom 15. Juni 2007 bis 18. Juni 2007 feiert der MGV 1882 Uettingen e.V. sein 125-jähriges Jubiläum.

Die Vorsitzenden des MGV 1882 Uettingen e.V.

1897 – 1900: Jakob Bauer

1900 – 1923: Georg Thoma

1924 – 1927: Fritz Kreith

1927 – 1932: Andreas Meckelein

1932 – 1944: Friedrich Thoma

1944 – 1946: August Huller

1946 – 1950: Friedrich Thoma

1950 – 1956: Friedrich Meckelein

1956 – 1966: Georg Thoma

1966 – 1978: Wilfried Kampert

1978 – 1980: Hermann Heunisch

1980 – 2000: Harry Bauer

seit 2000: Ralf Endres

Dirigenten des Frauenchors:

1984 – 1986 Bernhard von der Goltz

1986 – 1989 Inge Meyer-Eblenkamp

1989 – 1993 Claudia von der Goltz

1993 – 1995 Franz Rauch

1995 – 1997 Christina Gatz

seit 1997 Petra Schätzlein

Die Dirigenten des Männerchores:

1882 – 1891 Lehrer Leonhard Orth

1891 – 1923 Lehrer Heinrich Rübel

1923 – 1937 Lehrer Leibold, Lehrer Späth, Lehrer Koch, Karl Leibold

1937 – 1953 Friedrich Leibold

1953 – 1965 Rektor Willi Löwen

1965 – 1966 Lehrer Scheufelhut

1966 – 1979 Heinz Breitschaft

1979 – 1981 Hans Stahl

seit 1981 Willi Thoma

Dirigenten des Kinderchors:

1980 – 1984 Thomas Geiger

1980 – 1984 Norbert Weimer

1992 – 1999 Ute Wolfrum-Schalk

seit 1999 Diana Kitzing

Dirigent des happysound:

seit 1994 Willi Thoma